Bürger oder Fabrik? Wem gehört das Trinkwasser, wenn es knapp wird?  Eine Zusammenfassung des Deutschlandfunk-Hintergrunds vom 14. Oktober 2026

Quelle: Deutschlandfunk, Hintergrund | deutschlandfunk.de

📌 Im Überblick
 
 Die Stadt Baruth-Mark (Brandenburg, ~4.100 Einwohner) steht im Zentrum eines Wasserkonflikts von bundesweiter Bedeutung. Der Energydrink-Konzern Red Bull und der Abfüller Rauch übernahmen 2023 die Sprudelfabrik „Baruther Urstromquelle“ samt Nutzungsrechten am Grundwasser: 6.500 m³ täglich – 92 % der gesamten Grundwassermenge der Stadt – für 25 Jahre. Nun soll eine Dosenfabrik dazukommen. Bürgerinitiativen fordern Transparenz, klagen vor Gericht und warnen: In Dürreperioden könne für die Bevölkerung kein Wasser mehr übrig bleiben.

🎯 Kernbotschaften
 
 Das Wasser-Problem in Zahlen
 
 • Tägliche Entnahme: 6.500 m³ (92 % der städtischen Grundwassermenge)
 
 • Laufzeit: 25 Jahre (Vertrag aus 2023, auf Gutachten von 2006 basierend)
 
 • Geplant: Dosenfabrik mit 300 zusätzlichen Arbeitsplätzen

Wer hat Vorrang? Gesetzeslage unklar
 
 • Wasserhaushaltsgesetz: Trinkwasser = Daseinsvorsorge
 
 • Doch: „Wasserversorgung“ umfasst auch Gewerbe/Handwerk
 
 • § 12: Ermessensspielraum der Behörden groß
 
 • Brandenburger Wassergesetz: nur Vorrang für „öffentliche Wasserversorgung“ definiert
 
 • Lebensmittelproduktion (z.B. Red Bull Energy Drink) = „gleichrangig“ mit Trinkwasser – kritisch!

🔴 Systematische Geheimhaltung
 
 • Stadt Baruth verweigert Akteneinsicht: Betriebs- & Geschäftsgeheimnisse
 
 • Monitoring-Daten des LfU: komplett geschwärzt
 
 • Wabau-Werksleiter Frank Zierer: „keine Presseanfragen mehr“
 
 • Lisa Fialiks Klage vor VG Potsdam (seit Feb. 2025) läuft

🌍 Klimawandel verschärft Krise
 
 Hydrologen Stefan Bruder & Georg Huben (BGR):
 
 • Deutschland: kein Wasserstress (<20 % der Ressourcen genutzt)
 
 • ABER: 60 % der 5.800 Messstellen zeigen Trends → drei Viertel sinkende Grundwasserspiegel
 
 • Ø 0,9 cm/Jahr Rückgang (letzte 30 Jahre)
 
 • Ostdeutschland besonders betroffen (sandige Böden, Dürre 2018–2022)

💪 Widerstand & Initiative
 
 Ressourcenbündnis Baruth (8 Aktive + Unterstützer)
 
 • Klage: Lisa Fialik (Radeland-Siedlung, eigene Brunnen versiegt)
 
 • Ziel: Akteneinsicht + Mitsprache bei Grundwassernutzung
 
 • Petition: 88.000+ Unterschriften für Transparenz

Landespolitik Brandenburg
 
 • Umweltministerin Hanka Mittelstädt (SPD):

  • Stauanlagen, Moore, Feuchtgebiete wiederherstellen
  • Niedrigwasserkonzept in Arbeit
  • Wassergebührenerhöhung ab 2027 (auch für Bergbau)
  • Novelle des Brandenburgischen Wassergesetzes geplant

📣 Fazit & Handlungsaufforderungen

  1. Akteneinsicht erzwingen – Wasserverträge müssen öffentlich sein
  2. Gesetzeslücke schließen: Vorrang für Trinkwasser ≠ Lebensmittelproduktion
  3. Verträge an Klimawandel anpassen – 25-Jahres-Verträge von 2006 sind obsolet
  4. Bundeseinheitliche Regeln für Wassernutzung fordern
  5. Petition unterstützen: actionnetwork.org/petitions/…

🔗 Quellen & weiterführende Links
 
 • Deutschlandfunk-Hintergrund: deutschlandfunk.de/buerger-oder-fabrik…
 
 
• Frag den Staat: fragdenstaat.de
 
 • BGR – Bundesanstalt für Geologie und Rohstoffe: bgr.bund.de
 
 • Ökosystem e.V. (Umweltjuristin Laura von Vittorelli): oekosystem-berlin.de

Autorin: Andrea Reemsmeier
 
 Redaktion: Johanna Herzing
 
 Deutschlandfunk Hintergrund, 14. Oktober 2026

Zitierhinweis für Pressespiegel:
 
 Reemsmeier, A.: Bürger oder Fabrik? Wem gehört das Trinkwasser, wenn es knapp wird? In: Deutschlandfunk Hintergrund, 14.10.2026. Verfügbar unter deutschlandfunk.de

Erstellt am: 15.10.2026 | Formatierung für Pressespiegel-Portal guter-grund.info

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