Quelle: Deutschlandfunk, Hintergrund | deutschlandfunk.de
📌 Im Überblick
Die Stadt Baruth-Mark (Brandenburg, ~4.100 Einwohner) steht im Zentrum eines Wasserkonflikts von bundesweiter Bedeutung. Der Energydrink-Konzern Red Bull und der Abfüller Rauch übernahmen 2023 die Sprudelfabrik „Baruther Urstromquelle“ samt Nutzungsrechten am Grundwasser: 6.500 m³ täglich – 92 % der gesamten Grundwassermenge der Stadt – für 25 Jahre. Nun soll eine Dosenfabrik dazukommen. Bürgerinitiativen fordern Transparenz, klagen vor Gericht und warnen: In Dürreperioden könne für die Bevölkerung kein Wasser mehr übrig bleiben.
🎯 Kernbotschaften
Das Wasser-Problem in Zahlen
• Tägliche Entnahme: 6.500 m³ (92 % der städtischen Grundwassermenge)
• Laufzeit: 25 Jahre (Vertrag aus 2023, auf Gutachten von 2006 basierend)
• Geplant: Dosenfabrik mit 300 zusätzlichen Arbeitsplätzen
Wer hat Vorrang? Gesetzeslage unklar
• Wasserhaushaltsgesetz: Trinkwasser = Daseinsvorsorge
• Doch: „Wasserversorgung“ umfasst auch Gewerbe/Handwerk
• § 12: Ermessensspielraum der Behörden groß
• Brandenburger Wassergesetz: nur Vorrang für „öffentliche Wasserversorgung“ definiert
• Lebensmittelproduktion (z.B. Red Bull Energy Drink) = „gleichrangig“ mit Trinkwasser – kritisch!
🔴 Systematische Geheimhaltung
• Stadt Baruth verweigert Akteneinsicht: Betriebs- & Geschäftsgeheimnisse
• Monitoring-Daten des LfU: komplett geschwärzt
• Wabau-Werksleiter Frank Zierer: „keine Presseanfragen mehr“
• Lisa Fialiks Klage vor VG Potsdam (seit Feb. 2025) läuft
🌍 Klimawandel verschärft Krise
Hydrologen Stefan Bruder & Georg Huben (BGR):
• Deutschland: kein Wasserstress (<20 % der Ressourcen genutzt)
• ABER: 60 % der 5.800 Messstellen zeigen Trends → drei Viertel sinkende Grundwasserspiegel
• Ø 0,9 cm/Jahr Rückgang (letzte 30 Jahre)
• Ostdeutschland besonders betroffen (sandige Böden, Dürre 2018–2022)
💪 Widerstand & Initiative
Ressourcenbündnis Baruth (8 Aktive + Unterstützer)
• Klage: Lisa Fialik (Radeland-Siedlung, eigene Brunnen versiegt)
• Ziel: Akteneinsicht + Mitsprache bei Grundwassernutzung
• Petition: 88.000+ Unterschriften für Transparenz
Landespolitik Brandenburg
• Umweltministerin Hanka Mittelstädt (SPD):
- Stauanlagen, Moore, Feuchtgebiete wiederherstellen
- Niedrigwasserkonzept in Arbeit
- Wassergebührenerhöhung ab 2027 (auch für Bergbau)
- Novelle des Brandenburgischen Wassergesetzes geplant
📣 Fazit & Handlungsaufforderungen
- Akteneinsicht erzwingen – Wasserverträge müssen öffentlich sein
- Gesetzeslücke schließen: Vorrang für Trinkwasser ≠ Lebensmittelproduktion
- Verträge an Klimawandel anpassen – 25-Jahres-Verträge von 2006 sind obsolet
- Bundeseinheitliche Regeln für Wassernutzung fordern
- Petition unterstützen: actionnetwork.org/petitions/…
🔗 Quellen & weiterführende Links
• Deutschlandfunk-Hintergrund: deutschlandfunk.de/buerger-oder-fabrik…
• Frag den Staat: fragdenstaat.de
• BGR – Bundesanstalt für Geologie und Rohstoffe: bgr.bund.de
• Ökosystem e.V. (Umweltjuristin Laura von Vittorelli): oekosystem-berlin.de
Autorin: Andrea Reemsmeier
Redaktion: Johanna Herzing
Deutschlandfunk Hintergrund, 14. Oktober 2026
Zitierhinweis für Pressespiegel:
Reemsmeier, A.: Bürger oder Fabrik? Wem gehört das Trinkwasser, wenn es knapp wird? In: Deutschlandfunk Hintergrund, 14.10.2026. Verfügbar unter deutschlandfunk.de
Erstellt am: 15.10.2026 | Formatierung für Pressespiegel-Portal guter-grund.info



