Quelle: DER SPIEGEL | Autorin: Marie Kermer | Veröffentlichung: 18.04.2026 | https://www.spiegel.de/
Kernaussage
Der österreichische Energiegetränkekonzern Red Bull plant den Bau einer wasserintensiven Megafabrik im brandenburgischen Baruth/Mark. Das Vorhaben wird von Anwohnern und Umweltverbänden kritisch begleitet, da die Region bereits unter zunehmender Trockenheit und sinkendem Grundwasserspiegel leidet.
Hintergrund zur Wasserversorgung
Die Stadt Baruth liegt in einem besonders trockenen Gebiet Brandenburgs. Zwischen 1971 und 2000 fielen dort durchschnittlich nur 553 Millimeter Niederschlag pro Jahr – bundesweit waren es 787 Millimeter. Seit mehreren Jahrzehnten sinkt der Grundwasserspiegel, was zu baulichen Schäden führt:
- Das Neue Schloss hat sich teilweise um mehrere Zentimeter abgesenkt
- Die Kirche am Walther-Rathenau-Platz verzeichnet einen Bodenabsenkung von ca. 14 Zentimetern
- Die Sanierungskosten belaufen sich auf rund drei Millionen Euro
Architekten führen dies auf das Austrocknen von Torfböden zurück, auf denen Teile der Stadt erbaut sind. Solange der Untergrund feucht bleibt, bleiben die Holzstelzen stabil; bei Trockenheit beginnen Bakterien und Pilze, sie zu zersetzen.
Der Konflikt zwischen Red Bull und der Bevölkerung
Red Bull und Rauch Fruchtsäfte haben 2023 das Unternehmen Brandenburger Urstromquelle übernommen und damit bestehende Wassernutzungsrechte gesichert. Nach eigenen Plänen soll die neue Fabrik jährlich bis zu 3,3 Milliarden Dosen produzieren.
Wasserrechte in Zahlen:
- Aktuelle Entnahme durch Konzerne: 6.500 Kubikmeter täglich
- Geplante Kapazität: Bis zu 6.000 Kubikmeter täglich zusätzlich (laut Unternehmensangaben)
- Verfügbares Trinkwasser insgesamt: Mehr als 2,5 Millionen Kubikmeter pro Jahr
- Anteil an Konzernen: Rund 92 Prozent des verfügbaren Wassers
- Vergleich: Red Bulls geplante Nutzung übersteigt Tesa in Grünheide
Ein Bürgerinitiative sammelte über 28.000 Unterschriften gegen das Projekt. Hauptforderung ist eine Neuuntersuchung des Grundwasserbestands, da das zugrundeliegende hydrologische Gutachten aus dem Jahr 2006 stamme und Klimawandelfolgen nicht berücksichtige.
Wissenschaftliche Einschätzung
Experten widersprechen sich bezüglich der Auswirkungen der Wasserentnahme:
| Position | Quelle | Kernaussage |
|---|---|---|
| Keine direkte Auswirkung | Stadt Baruth, Red Bull, Christian Siebert (Helmholtz-Zentrum) | Eine dichte Gesteinsschicht („Stauer“) trennt oberflächennahe von tieferen Grundwasserschichten; Wasserentnahme hat keinen Einfluss auf die Feuchtigkeit nahe der Oberfläche |
| Langfristige Bedenken | Gunnar Lischeid (Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung) | Grundwasserneubildungsrate war in vergangenen Jahren deutlich geringer als 2006 angenommen; langfristig könnte auch tiefere Schicht weniger Wasser zur Verfügung stehen |
Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) verzeichnete im Sommer 2025 für 80 Prozent der Messstellen in Brandenburg niedrige Grundwasserbestände.
Amazon Web Services (AWS) als weiterer Akteur
Zusätzlich plant Amazon Web Services ein Rechenzentrum in Baruth, wie die Rundfunkanstalt RBB berichtete. Investitionsvolumen: 7,8 Milliarden Euro bis 2040.
- Geplanter Wasserverbrauch: Rund 96 Kubikmeter pro Tag bei Volllast (bei 100 Megawatt Leistung)
- Zum Vergleich: Entspricht dem täglichen Trinkwasserverbrauch von etwa 750 Menschen in Deutschland
- Anwohnerproblematik: Viele Häuser in der Waldsiedlung sind nicht ans öffentliche Netz angeschlossen und pumpen oberflächennahes Grundwasser ab; Brunnen versanden zunehmend
Juristischer Status
Am 19. Februar 2026 entschied das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg den Bebauungsplan für die Dosenfabrik vorläufig auszusetzen. Das Urteil begründete dies mit formellen Mängeln: Im Plan waren überall Lärmgrenzen eingetragen, obwohl das Gesetz auch Bereiche ohne solche Grenzwerte vorschreibt. Die genehmigte Wassermenge wurde im Urteil nicht angezweifelt.
„Das ist ein erster Erfolg“, sagt Umweltschutzanwalt Tim Stähle, der die Grüne Liga vertritt. Red Bull dürfe den angrenzenden Forst im Frühjahr nicht roden.
Reaktion der Lokalpolitik
Bürgermeister Peter Ilk zeigte sich gegenüber SPIEGEL gereizt: „Ich kann die Sorge nicht wirklich verstehen, da wir gegenüber der Bevölkerung immer offen kommuniziert haben.“ Er betonte, dass die Versorgung der Bevölkerung Vorrang vor der Industrie habe und die Wasserversorgungslage laut Hydrogeologen komfortabel sei. Ein persönliches Gespräch lehnte er angesichts des laufenden Gerichtsverfahrens ab.
Fazit
Der Konflikt in Baruth spiegelt ein grundsätzliches Dilemma wider: Industrielle Investitionen und Arbeitsplätze versus ökologische Nachhaltigkeit und langfristige Ressourcenverfügbarkeit in einer Region, die bereits unter Klimawandelfolgen leidet. Während juristische Formalia geklärt werden, bleiben die Fragen nach ausreichender Grundwasserneubildung und Verteilungsgerechtigkeit ungeklärt.
Mit freundlicher Genehmigung des Inhaltes gemäß § 51 UrhG zur Wiedergabe von Nachrichten und Zeitungsartikeln.
Für gute-grund.info zusammengefasst
Datum: 09.06.2026




