Deutschland erlebt einen Sommer der Extreme: Dürre, Hitze und sinkende Grundwasserstände prägen das Bild. Während die Bevölkerung eindringlich zum Wassersparen aufgefordert wird, pumpen Konzerne weiterhin Millionen Kubikmeter Grundwasser ab – gestützt auf veraltete Gutachten und intransparente Verträge.
Diese Diskrepanz zwischen dem Aufruf zum Verzicht und dem ungehinderten Profitieren der Industrie ist der Auslöser unserer Kampagne „Wassernotruf“. Wir verstehen unsere Aktionen in Supermärkten nicht als Selbstzweck, sondern als notwendigen Druckmittel, um vier zentrale Forderungen durchzusetzen, die für eine zukunftsfähige Wasserpolitik unerlässlich sind.
Warum ein „Wassernotruf“?
Die aktuelle Lage in Brandenburg und anderen Regionen zeigt: Das bestehende System der Wasserentnahme ist gescheitert.
- Veraltete Daten: Genehmigungen basieren oft auf Gutachten aus den 1980er- und 1990er-Jahren, die die heutige Klimakrise und die sinkenden Grundwasserstände nicht abbilden.
- Ungleiche Lasten: Bürger*innen müssen sparen, während Konzerne wie Red Bull, Adelholzener oder Aldi (Eigenmarke Quellbrunn) ihre Entnahmemengen auf Basis alter Modelle fortsetzen.
- Intransparenz: Die genauen Mengen pro Brunnen und die finanziellen Konditionen sind oft Betriebsgeheimnis.
Aus dieser Ungerechtigkeit leiten wir unsere Kampagne ab: Der „Wassernotruf“ ist kein Aufruf zur Panik, sondern ein Signal, dass das System reformiert werden muss, bevor irreversible Schäden entstehen.
Unsere Kernforderungen
Um den Wassernotruf zu beenden und eine gerechte Verteilung zu sichern, fordern wir von Politik und Wirtschaft folgende Maßnahmen:
1. Faire Bezahlung der Wasserentnahme
Wasser ist keine kostenlose Ressource für industrielle Profiteure.
- Forderung: Industrielle Wasserentnahmen müssen zu einem Preis bepreist werden, der die ökologischen Kosten und den Wert der Ressource widerspiegelt.
- Hintergrund: Aktuell zahlen einige Konzerne nur Bruchteile eines Cents pro Liter, verkaufen das Wasser aber für das Tausendfache. Diese Gewinnspanne muss fair gestaltet werden.
2. Aktuelle und unabhängige Gutachten als Grundlage
Genehmigungen dürfen nicht auf veralteten Daten beruhen.
- Forderung: Jede neue Genehmigung zur Grundwasserentnahme muss zwingend auf Basis aktueller, unabhängiger und lokaler hydrologischer Gutachten erfolgen.
- Hintergrund: Bestehende Gutachten aus den 1980er/90er Jahren ignorieren die beschleunigte Dürre und die langfristigen Auswirkungen des Klimawandels. Sie sind wissenschaftlich überholt.
3. Vollständige Transparenz der Verträge
Das öffentliche Interesse an Wasser darf nicht hinter verschlossenen Türen verhandelt werden.
- Forderung: Alle Verträge zwischen Gemeinden, Ländern und Getränkekonzernen müssen vollständig offengelegt werden.
- Hintergrund: Bürger*innen haben ein Recht zu wissen, unter welchen Bedingungen ihre Lebensgrundlage abgegriffen wird. Geheimhaltung begünstigt ungerechte Bedingungen.
Schutz der Ressourcen durch Moratorien
In akut betroffenen Regionen muss sofort gehandelt werden.
- Forderung: Ein sofortiges Moratorium für neue und eine Überprüfung bestehender Entnahmegenehmigungen in Regionen mit kritischen Grundwasserständen (wie Baruth, Treuchtlingen oder Bergen).
- Hintergrund: Solange die wissenschaftliche Unsicherheit über die Tragfähigkeit der Grundwasserspeicher besteht, darf keine weitere Entnahme genehmigt werden.
Von der Forderung zur Aktion: Wie wir Druck machen
Unsere Forderungen sind klar, doch die Politik reagiert zu langsam. Daher nutzen wir kreative und direkte Aktionsformen, um diese Punkte sichtbar zu machen:
- Im Supermarkt: Wir gestalten Regale um, kleben Sticker auf Flaschen und legen rote Bänder aus, um die Intransparenz und die unfaire Preisgestaltung direkt vor den Augen der Konsument*innen zu thematisieren.
- Mit Symbolkraft: Trauerfeiern und das Singen angepasster Lieder verdeutlichen den Verlust, den die aktuelle Praxis bedeutet.
- Mit Fakten: Unsere Flyer und Plakate nennen konkrete Zahlen (z. B. das 2000-fache Preisgefälle bei Aldi), um die Notwendigkeit fairer Bezahlung zu belegen.
„Wir trauern nicht nur um das verschwundene Wasser, wir kämpfen für seine Rückkehr. Von Trauer zu Wut zu Widerstand: Wir lassen nicht zu, dass unsere Lebensgrundlage verscherbelt wird.“ – Leonie Ehlerding, Guter Grund
Warum jede Stimme zählt
Ohne öffentlichen Druck werden diese Forderungen im politischen Raum weiter ignoriert. Jede Aktion, jeder geteilte Post und jede Spende hilft uns, den „Wassernotruf“ laut zu halten und die Debatte über faire Wasserpreise und transparente Verträge voranzutreiben.
Unterstütze unsere Forderungen: Hilf uns, den Druck aufzubauen, bis die Politik handelt.


