Workers planting seedlings in grassy field with shovels and hats

MST Brasilien: Landbesetzung als Weg zur Agrarreform

Brasilien ist einer der größten Agrarexporteure weltweit, doch Millionen landlose Familien kämpfen um Zugang zu Boden. Die Movimento dos Trabalhadores Rurais Sem Terra (MST) hat seit den 1980er Jahren brachliegende Großgrundbesitze besetzt und daraus kollektive Landwirtschaft sowie politische Bildung entwickelt. In unserem Video erfährst du, wie direkte Aktion zu realer Umverteilung führte – und warum organisierte Praxis symbolischen Protest übertrifft.


Video: Von der Besetzung zur Kooperative

Das Video fasst die Geschichte der MST prägnant zusammen:

  • Extreme Landkonzentration in Brasilien, wo die Verfassung ungenutztes Land als „sozial funktionslos“ einstuft.
  • Kollektive Besetzungen durch landlose Familien, die Zeltlager, Schulen und Felder aufbauen.
  • Langfristige Erfolge: Über 350.000 Familien mit Landtiteln, agroökologische Kooperativen und Einfluss auf die Agrarpolitik.

Worum geht es der MST?

Die MST entstand in den 1980ern aus der Krise der brasilianischen Landwirtschaft: Wenige Großgrundbesitzer kontrollieren riesige Flächen für Exportmonokulturen (Soja, Zuckerrohr), während Millionen Landlose hungern. Die Verfassung von 1988 fordert eine „soziale Funktion des Eigentums“ – brachliegendes Land kann enteignet werden.

Die MST setzt genau hier an:

  • Landlose Familien organisieren sich in Versammlungen und besetzen ungenutzte Flächen.
  • Sie bauen provisorische Siedlungen („acampamentos“) mit Schulen, Küchen und Produktion auf.
  • Ziel: Dauerhafte Agrarreform durch Druck auf den Staat, statt bloßer Symbolproteste.

Heute umfasst die MST rund 1,5 Millionen Mitglieder in 24 Bundesstaaten und ist eine der größten basisdemokratischen Bewegungen Lateinamerikas.


Landwirtschaftlicher Hebel und Praxis

Die MST macht Landwirtschaft zur politischen Waffe:

  • Besetzung brachliegender Flächen: Kollektive Aktion schafft Fakten und zwingt den Staat zur Landvergabe.
  • Kollektive Bewirtschaftung: Kooperativen produzieren Reis, Bohnen, Gemüse – oft agroökologisch, ohne Pestizide.
  • Politische Bildung: Auf jedem Siedlungsland entstehen Paulo-Freire-inspirierte Schulen, die Analysen von Kapitalismus mit Praxis verbinden.

Überschüsse gehen in Kooperativen und Volksmärkte; ein Teil finanziert Bildung und Infrastruktur. So entsteht Ernährungssouveränität statt Abhängigkeit von Agrarindustrie.


Erfolge der MST

Trotz Repression (Vertreibungen, Gewalt durch Großgrundbesitzer) sind die Bilanzen beeindruckend:

  • Über 350.000 Familien erhielten offizielle Landtitel und bauten stabile Siedlungen auf.
  • Einfluss auf Gesetze: Die MST drängte Reformen durch und blockiert GMO-Projekte oder Pestizidfreigaben.
  • Starke Bildungsarbeit: Tausende Schulen und Universitätskooperativen verbinden Theorie mit Praxis.

Die Bewegung exportiert nicht nur Lebensmittel, sondern ein Modell: Organisierte Praxis schafft Veränderung.


Warum hat das funktioniert?

Drei Schlüsselfaktoren machen die MST stark:

1) Strukturelle Analyse
Land wird als Machtfrage erkannt – nicht nur Boden, sondern Verteilung von Reichtum und Arbeit.

2) Langfristige Organisation
Besetzungen sind diszipliniert: Demokratische Strukturen, Bildung und kollektive Produktion halten Gruppen zusammen.

3) Alltag und Vision verbinden
Die MST produziert konkretes Essen für Gemeinden und kritisiert gleichzeitig das exportorientierte Agrarmodell – Ökologie trifft Soziale Gerechtigkeit.


Was wir daraus lernen können

Die MST beweist: Organisierte Praxis besiegt symbolischen Protest. In Europa, wo Brachen und Spekulationsflächen zunehmen, könnte das bedeuten:

  • Kollektive Nutzung ungenutzter Böden für Gemeinschaftsgärten oder Öko-Projekte.
  • Verbindung von Bildung, Produktion und politischem Druck auf Eigentumsreformen.
  • Debatte über „soziale Funktion“ von Land inmitten Klimakrise und Agrarwende.

Nutze unser Video für Diskussionen: Brauchen wir hierzulande radikalere Bodenreformen? Teile deine Gedanken in den Kommentaren!

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